Überfüllte Ausflugsziele, Nutzungskonflikte auf Wanderwegen und steigender Druck auf sensible Naturräume beschäftigen den Schweizer Wandertourismus zunehmend. Am 3. Schweizer Wandergipfel in Saanen bei Gstaad BE diskutierten rund 120 Fachleute aus Tourismus, Freizeit, Mobilität und Raumplanung darüber, wie Naturerlebnis und Besucherlenkung in Einklang gebracht werden können. Dabei verbuchte der Branchenevent einen Teilnahmerekord: Noch nie zuvor hatten sich so viele Fachpersonen gemeinsam mit der Zukunft des Wanderns beschäftigt.

Die Beliebtheit des Wanderns stellt Destinationen, Behörden und touristische Akteure vor neue Herausforderungen. Was lange vor allem aus internationalen Städten bekannt war, zeigt sich heute auch in den Schweizer Bergen: An einzelnen stark frequentierten Ausflugszielen gehören Warteschlangen vor Bergbahnen, überlastete Infrastrukturen oder Abfälle entlang der Wanderwege zunehmend zur Realität. Am 3. Schweizer Wandergipfel, der am 1. und 2. September 2026 in Saanen bei Gstaad BE stattfand und erneut von Nik Hartmann moderiert wurde, tauschten sich Fachleute darüber aus, wie sich Naturerlebnis, wirtschaftliche Interessen und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Nutzergruppen künftig besser in Einklang bringen lassen. «Der Wandergipfel zeigte deutlich, dass die Beliebtheit des Wanderns künftig eine aktivere Besucherlenkung, eine koordinierte Entwicklung touristischer Angebote und eine engere Zusammenarbeit zwischen Tourismus, Infrastrukturbetrieben und Naturschutz erfordert», sagt Michael Roschi, Präsident des Vereins Schweizer Wandergipfel.
Der Berg als Haltung statt als Produkt
Nicht nur die Zahl der Wandernden verändert sich, sondern auch die Gründe, weshalb Menschen die Berge aufsuchen. Christoph Engl, CEO der Oberalp Group (Salewa), machte deutlich, dass der Berg in Zukunft zunehmend als Ort für Gemeinschaft, Sinnsuche und persönliche Erfahrungen wahrgenommen wird. Klassische Leistungs- oder Erschliessungsgedanken treten dabei vermehrt in den Hintergrund. Stattdessen gewinnen Werte wie Einfachheit, Achtsamkeit und das bewusste Naturerlebnis an Bedeutung. «Der Berg ist kein Produkt – und war es nie. Er ist eine Idee, der Menschen folgen. Wer den Berg verstehen will, darf ihn deshalb nicht nur als Infrastruktur oder touristisches Angebot betrachten, sondern muss ihn als Bedeutungsraum begreifen», lautete eine der zentralen Botschaften des Markenstrategen.
Verbundpässe zwischen Wachstum und Naturerlebnis
Am Beispiel des Magic Pass rückten die Chancen und Herausforderungen von Verbundpässen in den Fokus. Sébastien Travelletti, CEO von Magic Mountains Cooperation (Magic Pass), zeigte auf, wie sich Bergdestinationen vom klassischen Wintersportmodell zu einem ganzjährigen Freizeitangebot entwickeln. «Kooperationen und die Zusammenarbeit der Bergbahnen sind entscheidend, um neue urbane Zielgruppen anzusprechen und die Berggebiete nachhaltig zu stärken», hielt Travelletti in seinem Referat fest. In der anschliessenden Podiumsdiskussion mit verschiedenen Destinationen wurden konkrete Praxisbeispiele beleuchtet – von Auswirkungen aufs Wandern bis hin zu den Herausforderungen eines nachhaltigen Hotspot-Managements. «Die zunehmende Attraktivität von Verbundpässen kann Besucherströme gezielter in Bergregionen lenken, stellt Destinationen gleichzeitig aber auch vor neue Herausforderungen bei Infrastruktur, Naturschutz und Erlebnisqualität», so Bettina Hübscher, Geschäftsführerin der Sportbahnen Melchsee-Frutt, die ihre Erfahrungen aus erster Hand teilte.
Praxisnaher Dialog
Der offene Austausch in Kleingruppen ergänzte die Fachbeiträge und ermöglichte einen praxisnahen Dialog zwischen den Teilnehmenden. Mit «GO FIND OUT – Der Weg zur neuen LOWA-Markenidentität» zeigte LOWA auf, wie sich Outdoormarken im Spannungsfeld zwischen Wachstum, Glaubwürdigkeit und Naturverbundenheit positionieren können. Im Zentrum stand die Frage, welche Werte Menschen künftig mit dem Unterwegssein in der Natur verbinden und welche Verantwortung Marken dabei tragen. Im Fokus standen bei weiteren Gruppen Wanderevents und ihre langfristige Bedeutung für das Wandererlebnis und den Tourismus, die Sicherheit beim Wandern sowie Prävention und Risikokommunikation. Auch die Herausforderungen rund um die Koexistenz von Wandern und Mountainbiken sowie die Planung der Weginfrastruktur wurden gemeinsam diskutiert.
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